Wolle/Merino Wolle (110)

Merino Wolle

Die meisten herkömmlichen Arten der Wolle haben entweder lange und grobe Fasern, was den Tragekomfort mindert, oder kurze und feine Fasern, was wiederum die Haltbarkeit der Wolle verkürzt. Merinowolle hat jedoch lange, in sich gekräuselte Fasern, die nicht nur fein und weich sind, sondern auch elastisch sind und dadurch die Wolle überaus widerstandsfähig machen.

Die feinen gekräuselten Fasern bilden mehr Lufttaschen als herkömmliche Wolle und können dadurch nicht nur effektiver Feuchtigkeit aufnehmen, sondern auch besser Temperaturschwankungen ausgleichen.

Neben ihrer temperaturausgleichenden Eigenschaft, entweder durch die Verdunstung von Feuchtigkeit in Hitze oder durch die Aufnahme von Feuchtigkeit bei Kälte, fängt Merinowolle auch nicht an übel zu riechen. Sie muss daher seltener gewaschen werden. Darüber hinaus knittert Merinowolle nicht und verliert daher auch nicht so einfach seine Passform. Trotzdem empfehlen wir Ihnen, Ihre Merinowolle Kleidung nicht an einen Bügel zu hängen, sondern zusammengelegt im Schrank aufzubewahren.

Im Gegensatz zu Kunstfaser, ist Merinowolle auch nur schwer entflammbar. Naturfasern wie die in Merinowolle verkohlen eher, als das sie brennen.

Weitere Vorteile sind unter anderem die Fähigkeit sich nicht elektrostatisch aufzuladen und biologisch abbaubar zu sein. Das Fell des Merinoschafs ist durch seine einzigartigen Fasern leicht und atmungsaktiv. Durch die Verarbeitung in Kleidung können die oben genannten Vorteile auch für den Menschen ausgenutzt werden. Die Wolle des Merinoschafs beinhaltet besonders viel Flaumhaar, welches durch seine feinen, stark gekräuselten Haare besonders guten Wärmeschutz bietet. Nur wenige andere natürliche Wollarten bieten so viele Vorteile wie Merinowolle.

Anwendungsbereiche der Merinowolle

Durch die einzigartigen Beschaffenheiten der Merinowolle, ist es nicht weiter verwunderlich, dass vor Allem Outdoorkleidung gerne auf Merinowolle zurückgreift. Die starke Kräuselung der Fasern (bis zu 40 pro Zentimeter) minimiert die Menge an Kontaktpunkten zwischen Haut und Wolle und ist daher besonders isolierend.

Weniger Kontaktpunkte an den Körper bedeutet das die Körperwärme, und Luft abgeleitet wird.

Luft an sich leitet Wärme nur sehr schlecht. Textilmaterial dagegen sehr gut. Die starke Kräuselung verringert daher den Wärmeaustausch, speichert Körperwärme eher als es sie abgibt und isoliert somit nach außen.

Merinowolle ist, ähnlich wie herkömmliche Schurwolle, ein temperaturausgleichendes Material für Kleidung. Das bedeutet, dass Merinowolle bei Kälte den Körper warmhält, und bei Hitze den Körper kühlt.

Merinowolle unterscheidet sich jedoch in vielerlei Hinsicht von herkömmlicher Wolle. Als besonders hochwertige Schurwolle, ist Merinowolle besonders weich und kratzt den Träger nicht. Wie alle tierischen Fasern, besteht Merinowolle aus faserförmigen Proteinen die unter anderem auch menschliche Haare und Nägel bilden.

Die Herkunft der Merinowolle

Merinowolle stammt von den gleichnamigen Merinoschafen. Das Merinoschaf ist eine sogenannte Feinwoll-Schafrasse. Sie stammt ursprünglich aus den Atlas Gebirgen Nordafrikas und erlangte erst internationale Bedeutung, nachdem Spanien die Qualität der Wolle für sich entdeckte und anfing, gezielt Merinoschafe zu züchten.

Seitdem ist die Wolle in vielen Ländern nachgefragt, jedoch befindet sich die Hauptproduktion in Australien und Neuseeland. Wie in Nordafrika, sind Merinoschafe auch in Australien und vor Allem in den Alpen Neuseelands ganzjährlich starken Temperaturschwankungen von minus 20°C bis plus 35°C ausgesetzt.

Durch die schwierigen Bedingungen unter denen Merinoschafe in den Gebirgen Nordafrikas lebten, ist ihre Wolle weitaus widerstandsfähiger als die, herkömmlicher Schafe.

Werden die Tiere bis auf die Haut geschoren, geben Merinoschafe typischerweise 2-4kg Wolle ab, wo Spitzentiere geben bis zu 10kg Wolle.

Warum fängt Merinowolle nicht an zu stinken?

Zu allererst: Wenn wir schwitzen, ist es nicht der Schweiß der unangenehm riecht. Vielmehr sind es unsere Hautbakterien, die den Schweiß in seine Einzelteile zersetzen. Wie viele andere Bakterienarten auch, fühlen sich Hautbakterien in feuchten Gegenden am wohlsten. Dort wo es an unserem Körper am feuchtesten und wärmsten ist, finden sich die meisten Hautbakterien und machen sich an unserem Schweiß zu schaffen – beispielsweise in den Achselhöhlen.

Schweiß und Bakterien setzen sich selbstverständlich auch auf unserer Kleidung ab. Aber warum verhält es sich bei der Merinowolle anders als bei Wolle aus Kunstfasern?

Das Geheimnis liegt in der Beschaffenheit der Faseroberflächen!

Während Kunstfasern über eine glatte Oberfläche verfügen auf denen Schweiß und Bakterien besonders gut haften bleiben können, haben Merinofasern eine schuppige Oberfläche, die es Bakterien schwer machen, haften zu bleiben, jedoch wird Schweiß sofort aufgenommen. Somit schaffen es die Bakterien es nicht den Schweiß in seine Einzelteile zu zerlegen und unangenehm zu riechen. Da hinzu kommt das natürliche Faserprotein “Keratin”, welches die Bakterien einfach abbaut. Keratin findet sich in tierischen wie auch in menschlichen Haaren.

Ein großartiger unterscheid zwischen Naturfasern und Kunstfasern ist ein einzigartiger Selbstreinigungseffekt.

Dieser entsteht durch zwei, im Faserkern sitzenden Zelltypen. Diese Zelltypen nehmen verschiedene Mengen an Feuchtigkeit auf, schwellen an und reiben sich dabei. Dieser Reibungsprozess sorgt dafür, dass die Faser sich immer und immer wieder von selbst reinigt.


Wie kühlt Merinowolle bei hohen Temperaturen?

So bizarr es klingen mag: Es macht aus Sinn Merino Wolle im Sommer zu kaufen da sie bei warmen Temperaturen kühlt!

Die Merinowolle funktioniert in gewisser Weise wie eine zweite Haut. Während unsere Haut Schweiß abgibt um die Haut zu kühlen, kann die Wolle nicht nur kalte Luft abstoßen, sondern isoliert unseren Körper auch von warmer Luft. Damit ist die Merinowolle beispielsweise der ideale Begleiter bei Wandertouren.

Durch die Einlagerung von Feuchtigkeit in den Fasern, kann die Merinowolle bis zu einem Drittel seines Gesamtgewichts lagern, ohne dass das Material seine Form verändert, oder sich anders anfühlt. Die Oberfläche der Fasern bleibt trotz der gebundenen Flüssigkeit trocken. Die Luft von außen sorgt dafür, dass die Fasern schnell wieder trocknen und somit Feuchtigkeit ausgestoßen wird.

Bei Regen wird das Wasser von den Fasern abgestoßen während Wasserdampf absorbiert wird. Der chemische Prozess funktioniert wie folgt: Sobald die Merinowolle Feuchtigkeit aufnimmt, entsteht Absorptionswärme. Diese Reaktion entsteht, wenn Wassermoleküle mit den Molekülen der Fasern kollidieren und dadurch Energie freigesetzt wird. Dieser Prozess findet nur solange statt, bis die Fasern mit Wassermolekülen gesättigt sind. Bis zu diesem Punkt, erhöht sich die Temperatur des Materials (je nach Qualität der Fasern) um bis zu 10 Grad.

Um sicher zu gehen, dass beispielsweise die Merinojacke sein volles Wärmepotenzial ausschöpfen kann, sollte stets darauf geachtet werden, dass die Jacke komplett getrocknet ist. Dies ist jedoch nicht immer einfach zu bewerten, da sich Kleidungsstücke aus Merinowolle meist trocken anfühlen, obwohl die Fasern bereits relativ gesättigt sein können.


Nicht die richtige Wolle gefunden?

Werden Sie bei unserer Merinowolle nicht sofort fündig, empfehlen wir Ihnen, sich bei unseren anderen Wollsorten umzuschauen.

Wir bieten viele Arten von Wolle an. Von feiner, ökologischer Wolle in vielen Farben bis hin zu Mischwolle aus Mohair, Acryl, Seide, Alpaka oder Mikrofaser ist garantiert für jeden Wollenthusiasten etwas Passendes dabei.

Fehlt Ihrer Kreation noch der letzte Schliff, empfehlen wir Ihnen unsere Mischwolle Shiny aus Viskose und Polyester, Sparkling aus Polyester und Nylon oder unsere gemusterte Twinkly Wolle.

Sowohl beim Kombinieren des Aussehens als auch bei den Eigenschaften der verschiedenen Wollarten heißt es: Die richtige Mischung macht’s.

Viel Spaß!